Werkverzeichnis Nr: 14-TP-0079
Technik: Tusche, Aquarell auf Zeichenpapier 200(b) x200(h) mm
Signiert auf der Vorder-und Rückseite
In dieser Zeichnung begegnen wir dem Mann, der uns lehrte, wie wir die Welt mit den Augen der Meister betrachten. Ernst Gombrich war nicht nur ein Historiker der Formen, sondern ein Entdecker der Wahrnehmung. Sein Porträt strahlt eine neugierige, fast schelmische Intelligenz aus – der Blick eines Mannes, der hinter die Leinwand schaut, um das Geheimnis der Illusion zu lüften. Er wusste, dass Kunst kein Zufall ist, sondern das Ergebnis eines jahrtausendlangen Dialogs zwischen Tradition und Innovation.
Ich habe ihn als jemanden gezeichnet, der die Verbindung zwischen dem Skalpell des Wissenschaftlers und dem Pinsel des Künstlers verkörpert. Gombrich verstand, dass ein Porträt von Leonardo oder Rembrandt deshalb so lebendig wirkt, weil es uns als Betrachter herausfordert: Wir vervollständigen das Bild in unserem eigenen Geist. In seinen Zügen liegt die Gelassenheit eines Gelehrten, der weiß, dass Schönheit und Wahrheit zwei Seiten derselben Medaille sind. Er erinnert uns daran, dass wir das Sehen immer wieder neu lernen müssen, um die Welt in ihrer Tiefe zu begreifen.
„Es gibt eigentlich gar nicht ‚die Kunst‘. Es gibt nur Künstler. Menschen, die die Gabe besitzen, das Unsichtbare im Sichtbaren festzuhalten und uns so die Augen für die unendliche Vielfalt des Lebens zu öffnen.“ — In Anlehnung an E. Gombrich
Gombrich hat unser Verständnis davon, wie wir Bilder lesen, revolutioniert. Er war kein trockener Theoretiker, sondern ein Liebhaber der lebendigen Tradition.
Für Gombrich war ein Porträt niemals nur eine Kopie der Natur, sondern ein psychologisches Experiment zwischen Künstler, Modell und Betrachter. Wenn wir in seinen Schriften (wie Die Geschichte der Kunst oder Kunst und Illusion) nachforschen, kristallisieren sich zwei Namen heraus, die für ihn die absolute Krone der Porträtkunst darstellen:
1) Leonardo da Vinci (Die Erfindung der Seele): Gombrich bewunderte Leonardo zutiefst, besonders wegen der Erfindung des Sfumato (der rauchigen Unschärfe).1) warum: Gombrich erklärte, dass ein Porträt erst dann „lebt“, wenn der Künstler dem Betrachter Raum zum Träumen lässt. Leonardo ließ die Mundwinkel und Augenwinkel im Schatten verschwimmen. Dadurch wirkt das Gesicht, als würde es sich im nächsten Moment verändern. 2) Das Geheimnis: Für Gombrich war Leonardo genial, weil er das Porträt aus der Starrheit befreite und es „psychologisch beweglich“ machte.
2) Rembrandt van Rijn (Die Wahrheit des Lichts): Rembrandt war für Gombrich der Meister der „inneren Wahrheit“. 1) Das Warum: Gombrich faszinierte, wie Rembrandt das Licht nutzte, um nicht nur die Haut, sondern den Charakter zu beleuchten. Er bewunderte, dass Rembrandt die Menschen nicht verschönte, sondern ihre Vergänglichkeit und ihre Würde im Alter feierte. 2) das Geheimnis: Rembrandt verstand laut Gombrich, dass ein Gesicht eine Geschichte erzählt – eine Geschichte von Leid, Erfahrung und Weisheit.