Werkverzeichnis Nr: 14-TP-0079
Technik: Tusche, Aquarell auf Zeichenpapier 200(b) x200(h) mm
Signiert auf der Vorder-und Rückseite
In dieser Tuschezeichnung begegnen wir dem unbestechlichen Auge von Günter Grass. Sein misstrauischer Blick ist das Ergebnis eines Lebens, das der Aufarbeitung von Schuld und der Entlarvung von Lebenslügen gewidmet war. Grass definierte die Menschheit nicht über ihre Ideale, sondern über ihre Vergesslichkeit und ihre Fähigkeit, Unrecht unter den Teppich der Geschichte zu kehren. Für ihn war der Mensch ein Wesen, das ständig zwischen der Rolle des Täters und des Mitläufers schwankt – und nur durch das unermüdliche „Schreiben gegen die Zeit“ und das laute Einmischen vor dem moralischen Verfall gerettet werden kann.
Sähe Grass die heutige geopolitische Lage, den Rückzug in nationale Egoismen und die neue Sprachlosigkeit angesichts globaler Konflikte, wäre sein Urteil wohl vernichtend. Er hätte vor der „Rückkehr der alten Dämonen“ gewarnt und die Intellektuellen aufgefordert, ihre Bequemlichkeit zu verlassen. Er sah die Demokratie nie als gesicherten Zustand, sondern als eine mühsame Arbeit, die jeden Tag neu erkämpft werden muss. Sein Porträt mahnt uns: Wer die Augen vor der Ungerechtigkeit verschließt, verliert das Recht auf seine eigene Geschichte.
„Die Freiheit ist ein mühsames Geschäft. Man muss sie täglich neu erfinden und gegen jene verteidigen, die im Namen der Sicherheit die Wahrheit opfern. Ein Volk, das seine Schatten leugnet, wird von ihnen eingeholt werden.“ — In Anlehnung an die Philosophie von Günter Grass
Die „Zwiebel“-Metaphorik: Er sah das Wesen des Menschen wie eine Zwiebel. Man muss Schicht um Schicht abziehen (Häuten), um zum Kern vorzudringen, was oft mit Tränen verbunden ist. Die Menschheit ist für ihn eine Ansammlung von Geschichten, die erzählt werden müssen, damit sie nicht zur Last werden.
Der Widerstand gegen das Glatte: Grass liebte das Sperrige. Er definierte den wertvollen Menschen als jemanden, der „Sand im Getriebe“ ist, nicht das Öl.