Heinrich Böll

Die Ästhetik des Humanen

„Politik ist das Schicksal, das wir uns selbst bereiten, indem wir die Machtlosen den Mächtigen überlassen.“

Werkverzeichnis Nr: 14-TP-0079

Technik: Tusche, Aquarell auf Zeichenpapier 200(b) x200(h) mm

Signiert auf der Vorder-und Rückseite 

In dieser Profilzeichnung begegnen wir dem Gewissen einer ganzen Generation. Heinrich Böll, mit dem sanften Blick des Melancholikers und dem leicht geöffneten Mund, wirkt wie ein Mensch, dem die Worte vor der Härte der Welt stocken. Er ist kein Analytiker, der seziert, und kein Zyniker, der lacht – er ist ein Beobachter, der mitfühlt. In den klaren, aber weichen Linien der Tusche zeigt sich die Aura eines Mannes, der die Trümmer der Vergangenheit nicht nur sah, sondern sie zeitlebens in seiner Seele trug. Seine Melancholie ist kein Selbstzweck, sondern der tiefste Ausdruck einer Liebe zum Menschen, der in den Mahlwerken von Krieg, Bürokratie und falscher Moral zerrieben wird.

 

Böll hat in seinen Werken ein ganz spezifisches Porträt gemalt: das Bild des „kleinen“, verwundbaren Individuums. Er erfasste das Wesen des Menschen durch seine Fähigkeit zum Mitleid und zur Unbestechlichkeit. Seine Botschaft tut deshalb so weh, weil sie uns ohne Zorn mit unserer eigenen Gleichgültigkeit konfrontiert. Ich habe ihn im Profil gezeichnet, weil er ein Suchender war – ein Mann, der am Horizont der verlorenen Zeit nach den Resten von Anständigkeit und menschlicher Wärme Ausschau hielt.

 


„Es gibt Menschen, die sind so sehr von ihrer eigenen Bedeutung überzeugt, dass sie die Welt nur noch als Kulisse für ihren Auftritt wahrnehmen.“