Werkverzeichnis Nr: 14-TP-0079
Technik: Tusche, Aquarell auf Zeichenpapier 200(b) x200(h) mm
Signiert auf der Vorder-und Rückseite
In dieser Tuschezeichnung begegnen wir dem aristokratischen Geist von Ortega y Gasset. Sein Blick ist nicht bloß beobachtend, er ist prüfend. In den harten Kontrasten der Tusche spiegelt sich seine Philosophie der „Perspektive“ wider: Die Wahrheit ist für ihn kein festes Objekt, sondern die Summe aller Blickwinkel. Ortega blickt mit einer Mischung aus Skepsis und intellektueller Strenge auf eine Welt, die im Begriff ist, das Individuelle im Kollektiven zu ertränken. Dieses Porträt fängt den Moment ein, in dem der Denker erkennt, dass Freiheit kein Geschenk ist, sondern eine ständige Anstrengung des Geistes.
„Der Massenmensch ist der Mensch, dessen Leben ohne Projekt ist und der dahintreibt. Deshalb baut er nichts auf, obwohl seine Möglichkeiten und seine Kräfte enorm sind.“
„Die größte Gefahr für den Geist ist der Mensch, der aufgehört hat, sich selbst Fragen zu stellen, und sich stattdessen in der Sicherheit der Menge verliert.“
„Ich bin ich und mein Umstand; und wenn ich diesen nicht rette, rette ich mich selbst nicht.“
Ortega y Gasset ist weltberühmt für seine Analyse in „Der Aufstand der Massen“. Die „Schwäche“, die er beschreibt, ist nicht mangelnde Intelligenz, sondern eine spezifische Form der geistigen Trägheit:
Der „verwöhnte Erbe“Er sah die größte Gefahr im „Massenmenschen“. Damit meinte er nicht eine soziale Schicht, sondern einen psychologischen Typus: den Menschen, der alle Vorteile der Zivilisation nutzt (Technik, Wohlstand, Freiheit), aber keine Verantwortung dafür übernimmt. Er nannte ihn das „verwöhnte Kind der Geschichte.
Die Irrationalität des Kollektivs: Die schwächste Seite des Menschen ist für ihn der Drang, in der Masse unterzutauchen. Der Massenmensch will nicht argumentieren, er will seine Meinung mit Gewalt oder durch schiere Anzahl durchsetzen. Er hasst alles, was anders, ausgezeichnet oder individuell ist.
Die Selbstzufriedenheit: Das Irrationalste ist für Ortega der „gelehrte Ignorant“ – der Spezialist, der in seinem kleinen Fachbereich alles weiß, aber den Blick für das Ganze verloren hat und dennoch glaubt, über alles urteilen zu können.