Werkverzeichnis Nr.: 21-TJ-0004
Technik: Rötel auf Büttenpapier 19 (b) x 28 (h) cm
Signiert auf Vorder- und Rückseite
In diesem mit Rötel gezeichneten Porträt eines gelehrten liegt das Echo einer Zeit, in der das Herz schwerer wog als der Verstand. Er erzählte uns, dass er in jenen Tagen mehr Tränen vergoss als in seinem gesamten Leben zuvor. Ich habe versucht, diese Tränen nicht als Schwäche, sondern als Ausdruck tiefster Liebe zur Menschheit zu zeichnen. In seinen Augen spiegelt sich eine Seele, die bereit war, für die Wahrheit zu zerbrechen, um das Ganze zu bewahren.
Doch heute mischt sich in diesen zarten, feinen Blick eine unendliche Müdigkeit. Es ist die Erschöpfung eines Geistes, dessen Kampf noch immer kein Ende gefunden hat. Die unnachgiebige Schwere der Lage drückt auf diesen feinfühligen Menschen, dessen buddhistische Ruhe durch die bittere Realität auf eine harte Probe gestellt wird.
Früher sprach er davon, für immer hierbleiben zu wollen, um dem Land, das ihm so viel gegeben hatte, etwas zurückzugeben. Doch nun scheint der Boden fremd geworden zu sein. Wenn er heute davon spricht, dieses Land irgendwann verlassen zu müssen, spürt man den tiefen Schmerz einer Entwurzelung. Ich habe in seinen Augen diesen Moment eingefangen: Die Trauer über ein Land, das seine helfende Hand nicht mehr erkennt, und die Sehnsucht nach einem Ort, an dem seine Seele wieder atmen darf.